Die Mittelaltermarkt-Szene ist für mich eine faszinierende, aber fremde Welt, über die ich nur wenig wusste. Ich habe in den letzten Jahren viele ehemalige aus der Szene kennengelernt, die alle sehr begeistert von den Märkten erzählten. Ich wollte den Grund dieser Begeisterung herausfinden um vielleicht auch meine eigenen Gefühle dafür verstehen zu können.
Weshalb das Medium Fotografie?
In der Mittelalterszene werden Fotografen „Seelenfänger“ genannt. Ich möchte nicht den Geist des Marktes stehlen, aber die Momente der Begeisterung der Menschen einfangen. In der Fotografie kann ich das abbilden, so wie ich es erlebt und empfunden habe und dem Betrachter das Gefühl der Szene näher bringen.
Das Konzept
Zuerst habe ich geplant, eine ausgewählte Gruppe zu begleiten, daher war der Untertitel meiner Arbeit „Eine Gruppe stellt sich vor“. Jedoch merkte ich schnell, dass ein Mittelaltermarkt von vielen verschiedenen Menschen und Gruppen lebt und ich diesen Eindruck nur wiedergeben kann, indem ich mehr als eine Gruppe zeige.
Wie bin ich vorgegangen?
Ich habe zuerst Freunde und Bekannte kontaktiert, die mir Personen und Gruppen empfohlen haben. Mit der Schaukampfgruppe „Weinbergritter“ habe ich dann ein Treffen auf einem Mittelaltermarkt verabredet, um sie vor Ort kennenzulernen und ihnen zu beschreiben, was genau ich vorhabe. Kurz darauf durfte ich mit den Weinbergrittern zusammen lagern. Dort konnte ich zum ersten Mal selbst miterleben, wie es ist, drei Tage lang fast genau so zu leben, wie die Menschen im Mittelalter. Diese Erfahrung war ungewohnt für mich und ich habe mich nicht wohl gefühlt, das erste Mal eine so lange Zeit mit Leuten zu verbringen, die ich kaum kenne. Weil diese Erfahrung nicht die gesamte Szene repräsentieren kann, beschloss ich, auf weiteren Märkten nach interessanten Menschen zu suchen. Dabei begegnete ich dem Schmied Zwerg und sener Frau Schneewittchen. Die beiden habe ich daraufhin auf mehreren Veranstaltungen besucht. Auf einem weiteren Markt wurde mir das Dannenberg Convent in Nentershausen empfohlen, eine besondere Veranstaltung, die nur am Sonntag für Besucher geöffnet ist, an den anderen Tagen jedoch sind die Lagernden unter sich. Ich kontaktierte die Gruppe „Dorrenberger“, deren Mitglieder Stammgäste auf dem Convent sind, und sie luden mich ein, vorbeizukommen. Allein diese Gruppe hat sehr viele Mitglieder, die aus befreundeten oder verwandten Familien besteht. Die Spielleute „Musica Vulgaris“ gehören ebenfalls dazu. Am Besucher-Sonntag durfte ich das Gauklerduo „Aptus Ludus“, den Bettler und die Burgwächter fotografieren. Ausserdem habe ich dort viel mit anderen lagernden Gruppen gesprochen und viel Neues dazugelernt. Zurück Zuhause nutzte ich wieder meine Kontakte, um eine weitere Gruppe im Bereich Schaukampf zu finden, und traf die „Freie Mittelaltergruppe Rheintaunus“, die ich beim Training begleiten konnte.
Die Fotos
Motive
Zuerst habe ich mir überlegt, was ich fotografieren will. Porträt und Handlung waren die Motive, die mich interessierten. Vor allem die Handlung wollte ich zeigen: wie die Schaukämpfer sich im Kampf behaupten oder der Schmied etwas aus dem Feuer zaubert. Mit den Porträts möchte ich die Menschen näher bringen, die das Mittelalter selbst leben und anderen erlebbar machen.
Format
Von Anfang plante ich meine Thesis im Hochformat. Aus diesem Grund entschied ich mich im Quer- und Hochformat zu fotografieren, um die Doppelseiten vielseitig nutzen zu können und mehr abwechslung in das Layout einbringen zu können.
Nachbearbeitung
Für die Nachbearbeitung der Fotos benutze ich Adobe Lightroom und Photoshop. Die Anpassung der Farben und Kontraste geschieht in Lightroom, Feinarbeit und Retusche in Photoshop.
Das Buch
RahmenUm die Wirkung meiner Fotos zu erhöhen, habe ich im Buch je einen cm Rand gelassen.
Typo
Die Titel-Schriftart ist Futura Std in Bold und Bold Oblique, für den Lauftext verwende ich die Frutiger LT Com in 55 Roman. Die Schriftfarbe ist Schwarz mit 80% Transparenz für die Titel und 50% für den Inhalt. Dadurch konkurriert der Text nicht mit den Fotos und stellt diese in den Vordergrund.
Zuerst suchte ich nach mittelalterlichen Schriftarten, wegen der Lesbarkeit dachte ich an eine Unziale. Da diese aber zu sehr von den Fotos ablenken, entschied ich mich für eine moderne Schriftart.
Textlayout
Die Texte der Kapitelbeschreibungen sind als zweispaltiger Blocksatz gesetzt. Die Porträtbeschreibungen hingegen als Flattersatz, da sie über die gesamte Breite gehen, um dem Porträtfoto genug Raum zu lassen. Die Kapiteltitel sind zentriert und gehen über die gesamte Breite der Doppelseite. Die Titel der Unterkapitel haben die Breite von nur einer Seite, um nicht zu stark aus dem jeweiligen Kapitel herauszufallen.
Fotos
Über die Beschreibung jedes Kapitels habe ich über die gesamte Seitenbreite ein kleines querformatiges Foto gesetzt, um ein Beispiel zum jeweiligen Thema zu zeigen. Links davon ein einzelnes Foto im Hochformat. Andere hochformatige Fotos teilen sich eine Doppelseite und die Bilder im Querformat wirken auf je einer Doppelseite am besten. Die Porträts nehmen ca. 3/4 der Seite ein.
Themenbeschreibung
In die Beschreibungen habe ich viel von meiner persönlichen Erfahrung einfließen lassen, sowie Informationen, die ich aus den Interviews mit den Fotografierten und Gesprächen mit anderen Menschen in der Szene führte. Dadurch versuche ich, dem Leser die Faszination zu vermitteln, die das Mittelalter auf die Menschen ausübt.
Personenvorstellung
Schon seit der ersten Konzept- Idee wollte ich eine Selbstbeschreibung der fotografierten Personen einfügen, die ich aus den Interviews zusammenfasse. Dies soll zeigen, dass all diese Menschen einen sehr großen Teil zu meiner Thesis beigetragen haben.
Interviewfragen
Um mehr über die Mittelalterszene und die Menschen zu erfahren, habe ich ihnen diese Fragen gestellt:
Wie heißt Du?
Wie nennst Du Dich auf dem Markt?
Was bist Du von Beruf?
Seit wann bist Du in der Szene?
Wie kamst Du auf die Idee, mitzumachen?
Hast Du Dich früher für das Mittelalter interessiert?
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